Saisonstart

Gestern war der tollste Tag meines Lebens. Naja, außer vielleicht der Tag, an dem mich meine Chefs aus dem Tierheim in ihr Jagdrevier holten. Und außer dem Tag, an dem ich der Nachbarin aus der Küche zwei Steak wegschnappte. Und der Tag, an dem ich mein erstes Eichhorn fing. Und… ach, ist ja auch egal: Gestern war nämlich bei den Flinken Pfoten das große Spaßturnier.
Wahrscheinlich denken die meisten jetzt, ein Spaßturnier heißt so, weil sich die Organisatoren lustige Stationen ausdenken. Das stimmt so aber nicht ganz. Denn bei einem Spaßturnier kommen vor allem unsere Chefs auf komische Gedanken. Eine unserer Stationen hieß zum Beispiel Zirkus. Das bedeutete, dass wir innerhalb einer Minute alle Tricks vorführen sollten, die wir kannten. Großzügigerweise wurden auch normale Kommandos wie „SitzPlatzFuß“ zu den Tricks gezählt. Ich fand die Station ganz schön fies, denn ich bin ja ein Jagdhund und kein Zirkushund. Und wo sollte ich denn so schnell einen Hasen herbeizaubern, in einer Minute bitteschön?! Aber zum Glück habe ich kreative Chefs, die Unarten wie Anspringen den Schiedsrichtern auf einmal als Trick verkauften.
Dann gab es noch eine echte Jagdhundestation, bei der man in einer Minute ein Spielzeug oder Leckerli aus einem Heuhaufen finden sollte. Für diese Station hätte ich eigentlich Zusatzpunkte verdient, denn ich hab meinen Ball gleich dreimal aus dem Heu geholt. Vor allem habe ich das getan, weil zeitgleich unsere Chefs in einem großen Heumüllsack einen Schlüsselanhänger ausgraben sollten. Und da hat mich Lutz natürlich total blamiert. Der hat den Schlüsselanhänger weder in der 50. Sekunde, in der 56. Sekunde noch bis zur 60. Sekunde gefunden.
Und den Parcours lief ja wieder die Chefin mit mir. Guckt sich vorher zweimal die 20 Hindernisse an und läuft dann trotzdem am dritten Tunnel mit mir vorbei. Und wundert sich, dass wir drei Strafpunkte auf unserem Zettel stehen haben.
Schlussendlich glaube ich aber, meine Chefs sind doch noch entwicklungsfähig. Bei so einem Spaßturnier bekommt ja jeder einen Preis und keine Flinke Pfote, die für die anderen etwas mitbringt, lässt sich da lumpen. Da gibt es selbstgebackene Hundekeckse, leckeren Trockenfisch und quitschvergnügte Spielzeuge und was nicht noch alles. Normalerweise greift ja meine Chefin bei solchen Gelegenheiten immer zu diesen abartigen Erziehungsratgebern. Waren auch wieder jede Menge dabei. „Ernährungsberatung“ (! mit ein paar extra Leckerlis rangebunden), „Die hohe Schule der Obedience“ (warum müssen denn gleich alle Abitur machen?) und unvermeidlicherweise auch ein Band von Martin Rütter. Aber diesmal schien die „Chefin von’t Janze“ irgendwie aufgeweicht. Wahrscheinlich weil sie ein schlechtes Gewissen hatte, dass sie mir die ersten Plätze verdorben haben mit ihren Strafpunkten und nicht aufgespürten Schlüsselbändern. Dadurch sind wir ja von 25 Teams nur 11. geworden. Sie guckte jedenfalls so die Preise an und mich an, die Preise und mich. Und ich hab schon die ganze Zeit so auf dieses abartige Wurfgeschoss geguckt. „Flying Rotator“. So eine Mischung aus Zerrseil, Frisbee und Bummerang. Noch echt cool in schwarz-rot gefärbt. Das war ja überhaupt ein Wunder, dass die unteren Plätze da noch nicht zugegriffen hatten. Und dann fiel die Entscheidung! Für meinen geilen Flying Rotator! Das war der eigentliche Sieg des Tages, fand ich. Der Flying Rotator ging an den einsamen Kämpfer Sky Haubold! Ich weiß genau, hätten wir in so einem dämlichen Tierladen gestanden, wäre es einfach wieder nur der 39. Ball geworden. Und dann hätten sich meine Chefs wieder gewundert, dass ich den bei der Übung, die ich habe, wieder in Null Komma Nichts zerlegt hätte! Der Spender unseres Preises hatte es aber noch besonders gut gemeint und sogar noch ein Halsband (bäh) und einen Futterbeutel für unterwegs dazugelegt.
Naja, das war also unser erstes Turnier 2012 (Video). In drei Wochen gibt es ein richtiges Agilityturnier, da habe ich mich auch gleich angemeldet. Hoffentlich bin ich bis dahin wieder auf allen vier Pfoten, denn irgendwie habe ich mir da was verzerrt. Aber egal, falls es wieder so tolle Preise gibt, kriege ich das auch auf drei Beinen hin. Und dann steht mir ja ein Sonderpreis zu. Unsere Zwillis könnten da ja mal so eine leckere Hundetorte nur für mich backen. Die gab es für uns Hunde dann nämlich auch noch. Aber eine Torte für 25 Hunde, da kann man sich ja denken, dass das eigentlich nur eine nette Geste war. Doch nichts für ungut. Mein Stück war superlecker.

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