
Sobald in Kaulsdorf ein paar Schneeflocken fallen, kommt Leben in die Hundehütte.
Seit gestern ist es wieder mal so weit.
Da hielt es uns auch nicht im eigenen Jagdrevier.
Obwohl es sich nur um eine hauchdünne Schneedecke handelte, war es so verlockend, dass am Nachmittag die „Chefin von’t Janze“ zum ersten Zugtraining blies. Sie hat nämlich noch immer ihren ollen Kinderschlitten im Keller. Mit Original-Seilzug und zwei angerosteten Bimmelglocken. Und dann ging’s raus in die Kleingartensiedlung, wo’s schon zuging wie bei Bruegels „Winterlandschaft“. Kinder sausten auf allem Möglichen den künstlichen Hügel, gern auch Berg genannt, runter; ein Collie und ein Pinscher tollten übers Feld; Erwachsene gaben vor aufzupassen und wir starteten etwas abseits unser neuestes Hobby: Schlittentraining.
Aber das sind so die Tage in Kaulsdorf, die ich liebe. Keiner kann was, aber alle machen sich zu schaffen. Die „Chefin von’t Janze“ und Lutz waren sich ja nicht mal über meine Ausrüstung einig.
Lutz sagte: „Das ist ein Zuggeschirr“ – die Chefin sagte: „Das ist kein Zugggeschirr, aber es ist voll in Ordnung, es erst mal zum Üben zu nehmen.“ Was anderes wäre ihnen ja auch nicht übrig geblieben. Mit den Leinen mussten sie ja auch schon tricksen. Wir haben zwar jede Menge Leinen, aber nur eine Zugleine.
Jedenfalls haben wir uns richtig gut im Schnee bewegt. Lutz ist vorweg wie so ein Leithirsch und die Chefin lag wie eine Mischung aus gestrandeter Wal und flotter Sprotte auf ihrem Kinderschlitten und versuchte mit den Armen mitzupaddeln. Nur ich – ich war echt, aber mir war nicht so ganz klar, wohin die Reise gehen sollte.
Aber die beiden kommen ja viel schneller außer Atem als ich und so zogen wir dann fröhlich wieder nach Hause. Also: Lutz zog den Schlitten und die Chefin und ich zogen abwechselnd an der Leine, um die Führungsposition zu klären.